Versicherungspflicht in der Sozialversicherung

In diesen Fällen müssen sich Studenten gesetzlich versichern ...

Um das Studium zu finanzieren, kommen die meisten nicht ohne einen Nebenjob über die Runden. Damit müssen Studenten aber oft Beiträge an die Sozialversicherungen abführen, weil eine so genannte „Versicherungspflicht“ eintritt.

Für Familienversicherte Studis würde das den Fortfall der kostenlosen Krankenkassen-Mitgliedschaft bedeuten.

Für privat versicherte Studenten hingegen würde das Hin- und Herwechseln zwischen gesetzlicher und privater Versicherung nicht nur einen unnötigen Aufwand bedeuten, sondern es birgt auch ein Risiko, wenn die PKV vorschnell gekündigt wird, ohne dass eine Anwartschaft vereinbart wurde.

Das wichtigste in Kurzform:
  • Am sichersten ist es, auf Minijob-Basis zu arbeiten. Insgesamt dürfen Sie so 450 Euro im Monat verdienen.
  • Die 450-Euro-Grenze gilt auch für BAföG-Empfänger und für Studenten, die in der kostenfreien Familienversicherung der Krankenkassen sind.
  • In Stein gemeißelt ist diese Verdienstgrenze aber nicht:

    Wer im Durchschnitt unter den 450 Euro bleibt, darf in drei Monaten pro Jahr auch mehr verdienen. Ausschlaggebend ist dann die jährliche Obergrenze von 5.400 Euro.

  • Eine Arbeitszeit von mehr als 20 Wochenstunden bedeutet automatisch Beitragspflicht in der gesetzlichen Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Während der Semesterferien oder bei Ausübung von Pflichtpraktika spielt die Arbeitszeit aber keine Rolle.
  • Werkstudenten dürfen in der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden pro Woche neben dem Studium arbeiten. In den Semesterferien sind es 40 Stunden.
  • Praktika, die gemäß Studien- oder Prüfungsordnung erfolgen, sind ohne Nachteil. Die Krankenversicherung läuft normal fort und es tritt keine Beitragspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung ein. Pflichtpraktika sind also ohne Grenzen bei Arbeitszeit und Einkommen.
  • Tritt vorübergehend eine gesetzliche Versicherungspflicht ein, sollten PKV-Versicherte Studenten ihren Vertrag nicht kündigen, sondern eine Anwartschaft vereinbaren.

    Damit kann die PKV später wieder aufleben, ohne dass es zu einer neuen Gesundheitsprüfung kommt. Mögliche Beitragszuschläge oder gar Ablehnungen aufgrund von Vorerkrankungen werden so vermieden.

 

Vor dem Beginn einer Beschäftigung ist es also wichtig zu klären, ob damit womöglich eine Zwangsversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse, der Rentenversicherung oder sogar in der Arbeitslosenversicherung eintritt.

Beachten Sie deshalb die folgenden Regelungen:

 

Für die Kranken- und Arbeitslosenversicherung:

Bei folgenden Arbeitsverhältnissen besteht in der gesetzlichen Krankenversicherung und auch in der Arbeitslosenversicherung generell eine Versicherungspflicht:
  • Arbeitsverhältnisse mit mehr als 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche (während der Semesterferien ist die Arbeitszeit aber egal).
  • Arbeitsverhältnisse, die innerhalb eines Jahres für länger als 26 Wochen ausgeübt werden.
  • Arbeitsverhältnisse in Urlaubssemestern mit einem Monatseinkommen von mehr als 450 €.

Folgende Arbeitsverhältnisse dagegen sind versicherungsfrei:

  • Dauerhafte Beschäftigungen mit einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden pro Woche.
  • Dauerhafte Beschäftigungen mit einem Monatseinkommen von bis zu 450 € (Minijobs). Hier muss lediglich der Arbeitgeber pauschale Beiträge zahlen. Für die Krankenversicherung sind das 13%, für die Rentenversicherung 15%.
  • Kurzfristige Beschäftigungen (nicht mehr als 2 Monate am Stück und insgesamt nicht länger als 50 Tage im Jahr).
  • Praktika, welche gemäß der Studien- oder Prüfungsordnung erfolgen (Einkommen und Arbeitszeit sind hier unerheblich).
  • Arbeitsverhältnisse in den Semesterferien (unabhängig vom Verdienst und von der wöchentlichen Arbeitszeit).

 

Für die gesetzliche Rentenversicherung gelten abweichende Bestimmungen:

Bei den Rentenkassen wird primär davon ausgegangen, dass Arbeitsverhältnisse grundsätzlich Beitragspflichtig sind.

Jedoch gibt es folgende Ausnahmen, die keine Beitragspflicht nach sich ziehen ...

  • Dauerhafte Beschäftigungen mit einem Monatseinkommen von maximal 450 € (Minijobs / geringfügige Beschäftigungen)
  • Praktika, die gemäß der Studien- oder Prüfungsordnung erfolgen (unabhängig vom Einkommen und der Arbeitszeit)
  • Praktika mit einer monatlichen Vergütung von max. 450 €.

 

Für familienversicherte Studenten gilt:

Wer über die kostenlose Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse der Eltern mitversichert ist, darf bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten.

Die Krankenkasse zum Null-Tarif würde nämlich entfallen bei ...

  • regelmäßigen monatlichen Einkünften von mehr als 425 € (beispielsweise Einnahmen aus Mieten, Zinsen und anderen Kapitalerträgen oder Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit)
  • Arbeitsverhältnissen mit einem ständigen monatlichen Einkommen von mehr als 450 € (wenn also kein Minijob vorliegt).

Fällt die Familienversicherung weg, müssen sich Studierende über die studentische Krankenversicherung der GKV weiter versichern, mit einem Monatsbeitrag von derzeit 83,20 € (bzw. 81,58 € für Studenten mit Kind).

Aber auch die studentische Krankenversicherung in der GKV hat Ablaufzeiten, denn sie greift maximal bis zum 30. Geburtstag oder bis zum 15. Fachsemester. Danach werden Studierende als „freiwillig Versichert“ eingestuft, was eine enorme Erhöhung der Beiträge zur Folge hat.

Alternativ besteht die Möglichkeit, in einen Studententarif der privaten Krankenversicherung zu wechseln. Insbesondere dann, wenn in der GKV der Stand eines freiwillig Versicherten besteht, ist die Studenten-PKV meistens die bessere Alternative.