Und nach dem Studium?

So müssen sich Studenten später weiter versichern ...

Nach dem Studium greifen verschiedene gesetzliche Vorschriften und Regelungen, wie sich Studenten weiter versichern können - oder vielleicht sogar müssen. Ausschlaggebend dafür ist der berufliche Weg, der später gegangen wird.

 

Wer in ein Angestelltenverhältnis geht ...

muss sich nahezu immer gesetzlich krankenversichern.

Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen unterhalb einer bestimmten Grenze sind zwangsversichert im System der gesetzlichen Krankenkassen. Diese Einkommensgrenze beträgt derzeit 59.400 € (Stand 2018). Maßgeblich dafür ist das Jahres-Bruttoeinkommen laut Arbeitsvertrag. Etwaige Sondergehälter wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können, sofern diese laut Arbeitsvertrag fest zugesichert sind, mit eingerechnet werden.

Anders herum würde sich die Nutzung eines Firmenwagens negativ auf die Einkommensgrenze auswirken, weil der Arbeitgeber laut Steuerrecht den Anteil für die private Nutzung des PKW's vom Bruttogehalt abziehen muss. Aus diesem Grund (und noch anderen) ist eigentlich ein ganz anderer Faktor für die Bemessung der Einkommensgrenze entscheidend, nämlich das sog. „Sozialversicherungspflichtige Krankenversicherungs-Brutto“. In der Gehaltsabrechnung ist es zu finden unter dem Kürzel „SV KV-Brutto“.

Zwar wünschen wir Ihnen, dass Sie die Einkommensgrenze von 59.400 € sofort erreichen ... aber bleiben wir mal realistisch, denn nur die wenigsten können nach dem Studium gleich ein derart hohes Einkommen erzielen.

Aufgrund dieser Hürde sind nahezu alle Ex-Studis zunächst zwangsversichert im System der gesetzlichen Krankenkasse.

Von jetzt an müssen Sie also, anstelle des verminderten Studenten-Beitrages, den vollen Beitragssatz an die gesetzliche Kasse abführen. Die Höhe der Satzes wird prozentual aus dem „Sozialversicherungspflichtigen Krankenversicherungs-Brutto“ errechnet, welches meist dem Bruttoeinkommen entspricht.

Der allgemeine Beitragssatz der GKV beträgt zurzeit 14,6%. Daran beteiligt sich Ihr künftiger Arbeitgeber zur Hälfte, so dass Sie selbst einen Anteil von 7,3% zu tragen haben.

Jedoch dürfen diejenigen Krankenkassen, die sich aus dem allgemeinen Beitragssatz nicht finanzieren können, einen Zusatzbeitrag erheben, welcher zwischen 0,3 und 1,7% liegt. Durchschnittlich liegt dieser bei 1,1 Prozent (aktuell für 2018). Der Arbeitgeber beteiligt sich an diesem Zusatzbeitrag nicht.

Hinzu kommt der Beitrag zur Pflegeversicherung. Dieser beträgt derzeit 2,50% vom Bruttoeinkommen (abzüglich hälftiger Arbeitgeberanteil). Für Kinderlose GKV-Versicherte greift ein zusätzlicher Beitrag in Höhe von 0,3%, den der Arbeitnehmer grundsätzlich selbst zu tragen hat.

In die PKV dürfen Sie nur dann wechseln (oder können dort verbleiben), wenn dass auf´s Kalenderjahr hochgerechnete Bruttoeinkommen die o. g. Verdienstgrenze von 59.400 € schneidet - umgerechnet also 4.950 € pro Monat. Wie bereits erläutert, werden Boni wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld mit einbezogen, wenn diese im Anstellungsvertrag fest verankert sind.

 

Falls Sie sich Selbständig machen...

stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen. Sie können sich dann gesetzlich krankenversichern; haben aber auch jederzeit das Recht, in eine Privatversicherung zu wechseln. Der Wechsel in die PKV wäre sofort bei Exmatrikulation möglich; danach ist für die Beendigung der GKV-Mitgliedschaft eine Kündigungsfrist von jeweils zwei Monaten zum Monatsende einzuhalten.

Die 18-monatige Bindungsfrist, die bei einem Übertritt von der einen zu einer anderen GKV gilt, muss bei einem Wechsel in die PKV nicht eingehalten werden.

Wenn Sie bereits während des Studiums privat versichert waren, so können Sie weiterhin in der PKV bleiben. Der Studententarif fällt dann natürlich weg und muss rechtzeitig umgestellt werden, was eine deutlich höhere Prämie zur Folge hat. Außerdem müssen die Privatversicherer von nun an einen Aufschlag hinzu rechnen in Höhe von 10 Prozent: den sog. . Dieser wird den normalen Altersrückstellungen hinzu gerechnet und sorgt für verminderte Beiträge im Rentenalter.

Falls Sie komplett den Anbieter wechseln möchten (z B. weil eine andere PKV-Gesellschaft bessere Tarife bietet), so steht Ihnen diese Möglichkeit ebenfalls offen. Dann aber muss der Wechsel direkt bei Exmatrikulation erfolgen; später wäre ein Wechsel nur unter Einhaltung der jeweiligen machbar, denn je nach Versicherer ist eine reguläre Kündigung entweder zum Ende des jeweiligen Kalenderjahres oder mit Ende eines Versicherungsjahres möglich. Weil eine Kündigungsfrist von drei vollen Monaten einzuhalten ist, muss eine Kündigung zudem rechtzeitig erfolgen.

Bei einer Kündigung zum Kalenderjahr muss die Willenserklärung bis spätestens 30. September beim Versicherer vorliegen, für die Kündigung zum Versicherungsjahr entsprechend drei volle Monate vorher.

Hier finden Sie einen umfassenden und schnellen PKV-Vergleich:

PKV-Vergleich für Selbständige

 

Wenn Sie in den Beamtendienst gehen bzw. Beamtenanwärter/in sind...

haben Sie sofort das Recht in die PKV zu wechseln oder (wenn Sie bereits PKV-Versichert sind) den Studententarif in einen Tarif fr Beamtenanwärter umzuwandeln.

Ausnahme: Rechtsreferandare in manchen Bundesländern sind verpflichtet, sich in der GKV zu versichern (siehe unten).

Die Vorteile, die eine private Krankenversicherung für Beamte und Beamtenanwärter bietet, sollten möglichst genutzt werden. Denn während Angestellte in der privaten Wirtschaft die Hälfte der Beiträge vom Arbeitgeber bezahlt bekommen, erhalten Beamte eine sog. „Beihilfe“. Dies bedeutet, dass sich der Dienstherr (Bund oder Land) an einem Teil der enstehenden Krankheitskosten beteiligt. Die Beihilfe ist (je nach Dienstherr, Familienstand und Anzahl der Kinder) sehr unterschiedlich und kann zwischen 50 und 80 Prozent betragen.

Weil die Beihilfe aber immer nur eine Teilhilfe darstellt, können Beamte und Beamtenanwärter die Restkosten über einen Beihilfe-Tarif der privaten Krankenversicherung absichern.

Die gesetzliche Krankenversicherung dagegen ist für Beamte keine lohnenswerte Alternative, denn sie verfügt nicht über spezielle Ergänzungstarife für Beihilfeberechtigte. Ein Beamter müsste dort den Beitrag für eine „100% Krankenversicherung“ bezahlen, obwohl er vielleicht nur die halbe Leistung oder noch weniger benötigt.

Während der Phase als Beamtenanwärter/in gewährt Ihnen die private Krankenversicherung eine hohe Beitragsreduzierung, die bis zum 34. Geburtstag oder sogar bis zum 39. Geburtstag greifen kann (je nach Gesellschaft und Tarif).

Zu beachten ist aber, dass sich Rechtsreferendare in den folgenden Ländern gesetzlich krankenversichern müssen:

Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Frühestens mit der Beurkundung zum Beamten dürfen Rechts-referendare in einen Beihilfe-Ergänzungstarif der PKV wechseln.

Mit der Ernennung zum Beamten (auch wenn Beamter auf Probe) besteht für alle privaten Krankenversicherer ein so genannter Kontrahierungszwang. Das heißt, dass der Privatversicherer verpflichtet ist, jede Person unabhängig vom gesundheitlichen Zustand aufzunehmen. Je nach Schwere der Vorerkrankung kann die Beantragung bestimmer Leistungen aber verweigert werden. So kann sich die PKV zum Beispiel weigern, sog. Wahl-Leistungen fürs Krankenhaus zu versichern (also keinen Aufenthalt im 1- oder 2-Bett-Zimmer und/oder Privatarztbehandlung).