Staffelbeiträge in der Studenten-PKV

Manchmal wächst die Beitragslast der Krankenversicherung stärker, als es das Budget hergibt. Gründe dafür kann es viele geben, zum Beispiel Beitragserhöhungen wegen des angeblich „medizinischen Fortschritts“, ein Fortfall der studentischen Kassenmitgliedschaft wegen der Semesterzahl oder dem Alter, eine Selbständigkeit neben dem Studium oder der Wegfall der Beamtenbeihilfe.

Wer dann die Hürde der Gesundheitsfragen übersprungen hat und erfolgreich in eine preiswerte Studenten-PKV wechseln konnte, ist erst einmal erfreut über die niedrigen Beiträge.

Doch Vorsicht! Manchmal währt die Freude nur so lange, bis ein merkwürdiges Schreiben von der Krankenversicherung ins Haus flattert, wo diese eine Beitragsanpassung ankündigt wegen eines „Altersprungs“ auf die nächsthöhere Altersgruppe.

Der Grund dafür ist schnell erklärt:

Die PKV ist nach dem Prinzip aufgebaut, dass der Beitrag in einer Mischkalkulation nach dem Kostenrisiko für die durchschnittliche Lebensdauer hochgerechnet wird. Das ist deshalb notwendig, weil die Krankheitskosten mit steigendem Alter progressiv nach oben schnellen. Die PKV rechnet daher eine sog. Altersrückstellung in die Beiträge ein, und zwar sofort ab Vertragsbeginn.

In den Studententarifen werden solche Rückstellungen jedoch nicht gebildet. Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass die Studenten-PKV deutlich weniger kostet als die PKV-Tarife für Angestellte oder Selbständige.

Diese Regelung macht auch Sinn, denn fast alle Studierenden werden nach Ex-Matrikulation versicherungspflichtig im System der GKV und müssen die Privatversicherung beenden. Mit diesem Wechsel aber würden die (durch den Mehrbeitrag!) gesammelten Altersrückstellungen in der PKV komplett verloren gehen (es sei denn, Sie vereinbaren eine kostenpflichtige Anwartschaft bei der PKV). Es ist also ein Mehrwert, dass in den Studententarifen keine Altersrückstellungen gebildet werden. Denn was nicht gezahlt wurde, kann auch nicht verloren gehen.

So weit, so gut.

Damit jedoch eine altersgerechte Risiko-Einstufung erfolgen kann, passen manche Versicherer den Beitrag in einem 5-Jahres-Turnus (jeweils mit erreichen einer bestimmten Altersgrenze) an. Dies bedeutet, dass die Beiträge spätestens alle 5 Jahre angeglichen werden, entsprechend der nächst höheren Altersgruppe.

Im Versicherungsdeutsch wird deshalb von einem so genannten „Staffelbeitrag“ gesprochen.

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel anhand des Studententarifs R-START von der SIGNAL IDUNA. Der dortige Beitrag beträgt, je nach erreichtem Lebensalter:

  • von  20 - 24 Jahren:   53,95 €
  • von  25 - 29 Jahren:   63,73 €
  • von  30 - 33 Jahren:   88,57 €
  • von  34 - 39 Jahren:   91,84 €
Der Beitrag wird demnach mit erreichen des 25., 30. und 34. Geburtstages erhöht.  Im Klartext heißt das: Eine beispielsweise 29-jährige Studentin wird ab dem 30. Geburtstag in eine neue Altersgruppe eingestuft mit einem Monatsbeitrag von nunmehr 88,57 € (anstatt bisher 63,73 €).

 

Zwar sind die oben gezeigten Beitragssprünge in einem durchaus verträglichen Rahmen, aber es gibt auch Tarife, in denen sich der Altersgruppen-Sprung teilweise sehr deutlich bemerkbar macht.

So zum Beispiel bei der Barmenia in den Tarifen der Produktreihe (B)VHV. Ziehen wir exemplarisch den Tarif (B)VHV3 heran, dann lässt sich die Dimension der teils hohen Beitragssprünge schnell erkennen. Der dortige Beitrag beträgt, je nach erreichtem Alter:

  • von  21 - 25 Jahren:   131,64 €
  • von  26 - 30 Jahren:   184,28 €
  • von  31 - 34 Jahren:   187,53 €
  • von  35 - 38 Jahren:   211,25 €
Hier hätte ein 25-jähriger Student eine Beitragserhöhung von monatlich 52,64 € zu verkraften, sobald er den 26. Geburtstag überschritten hat.

 

Allerdings ist der Sprung in eine neue Altersgruppe nicht immer mit einer Beitragserhöhung verbunden; teilweise werden die Beiträge sogar gesenkt. Hier kommt es individuell auf die Gesellschaft und den Tarif an, in dem man versichert ist.

Einige Versicherer verzichten sogar auf eine Beitragsstaffelung, andere verzichten darauf zumindest in einigen Tarifen. Sehen Sie nachfolgend eine Liste der Gesellschaften, welche Staffelbeiträge in den Studententarifen enthalten oder darauf verzichten ...

Gesellschaft
Staffelbeitrag?
Allianz
Ja, in allen Tarifen
Alte Oldenburger
Ja, für die Ambulant -und Zahn-Tarife
ARAG
entfällt (hat keine Studententarife)
AXA
Ja, in allen Tarifen
Barmenia
Ja, in allen Tarifen. Teils sehr hohe Beitragssteigerungen.
Bayer. Beamtenkrankenkasse
Ja, in allen Studententarifen
Central
Ja, in den Tarifen central.privatA und central.privatproA
Concordia
entfällt (hat keine Studententarife)
Continentale
Ja, in allen Tarifen
DBV
entfällt (Studententarife über die AXA, siehe dort)
Debeka
Ja, in allen Tarifen
Gothaer
Ja (bietet nur den PSKV-Tarif)
Hallesche
Ja, in allen Tarifen
HanseMerkur
Ja, in allen Tarifen
HUK-Coburg
Nein
Inter
Ja, in allen Tarifen
Landeskrankenhilfe (LKH)
Nur in den ambulanten Modul-Tarifen
LVM
entfällt (bietet keine Studententarife)
Mecklenburgische
Ja, in allen Tarifen
Münchener Verein
Nein
Nürnberger
Nein
Ottonova
Ja, in allen Tarifen
Pax/Familienfürsorge
Ja, in allen Tarifen
Provinzial
Ja, in allen Tarifen
R+V
Ja, in allen Tarifen
Süddeutsche Kranken (SDK)
Ja, in allen Tarifen
Signal Iduna
Ja, in allen Tarifen
Union (UKV)
Ja, in allen Tarifen
Universa
Ja, in allen Tarifen
Württembergische
Ja, in allen Tarifen

Fazit:

Wer die neue PKV nicht etwa nur als Zwischenlösung braucht, um ein paar Semester bis zum Studienende zu überbrücken, sollte auch die künftigen Beiträge in die Rechnung einkalkulieren.