Entscheidungshilfen für Studenten

Gesetzlich oder privat versichern?

Die meisten Kassenversicherten Studenten kommen irgendwann in die Situation, sich selbst krankenversichern zu müssen.

Denn die kostenlose Familienversicherung endet in aller Regel mit Vollendung 25. Lebensjahres. Und ab dem 15. Semester oder mit dem 30. Geburtstag wird es für Kassenversicherte Studis sogar richtig teuer. Aber auch dass Einkommen kann schnell zur Kostenfalle werden, denn ein zu hohes Gehalt aus Beschäftigungen oder ein Gewinn aus selbständiger Tätigkeit werden in der GKV mit Zusatzbeiträgen bestraft.

Zwar denken viele Studenten hiernach über den Wechsel in eine private Krankenversicherung nach, doch die Entscheidung dafür fällt manchmal nicht leicht. Denn vom gewohnten Standard der gesetzlichen Krankenkasse in das Unbekannte der PKV zu wechseln, scheint für manche ein zu gewagter Schritt.

 

Entscheidung nach Kosten ...

Dann kann sich für Studenten der Wechsel in eine private Krankenversicherung lohnen:

  • Ein Studium lässt sich meist nur mit Nebenjobs finanzieren. Liegen die Einküfte aber dauerhaft (mehr als 3 Monate am Stück) über der Minijob-Grenze von 450 €, so sind solche Einkünfte in der GKV extra beitragspflichtig.

    Andere Einkünfte (z.B. Zinsen, Mieten, Kapitalerträge) dürfen höchstens 425 € betragen. Etwaige Mehreinkünfte wirken sich ebenso negativ auf die Beitragsbemessung aus.

    Verlangt die Kasse aufgrund solcher Mehreinkünfte höhere Beiträge, so kann sich der Wechsel in eine Studenten-PKV durchaus lohnen. Denn anders als die gesetzlichen Kassen haben die Privatversicherungen keine Einkommensgrenzen.

  • Für Studierende, die ab einem Alter von 30 Jahren oder ab dem 15. Fachsemester nur als „freiwillig Versichert“ in der GKV bleiben können, ist eine PKV sogar immer die bessere und preiswertere Lösung.

Dann sind Studierende besser in der gesetzlichen Kasse aufgehoben:

  • Wer im Vollzeitstudium den Ehepartner und/oder ein Kind mitversichern muss und einen billigen Versicherungsschutz sucht, sollte besser gesetzlich versichert bleiben. Denn der größte Vorteil der gesetzlichen Kassen ist, dass nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert sind.
  • Bei Antragstellung will sich jeder Privatversicherer ein Bild machen über den Gesundheitszustand der Person. Dazu stellen die Versicherer mehr oder weniger viele Fragen im Antrag, in denen nicht nur bestehende Krankheiten, sondern auch frühere Erkrankungen der letzten Jahre 3 oder 10 Jahre genannt werden müssen. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen haben mit Beitragszuschlägen zu rechnen. Bereits eine Allergie wäre ausschlaggebend dafür, dass die Versicherer der Mitgliedschaft nur dann zustimmen, wenn ein Beitragszuschlag z. B. von 9 Euro akzeptiert wird (was ja durchaus noch akzeptabel wäre).

    Schwere Vorerkrankungen oder gar psychotherapeutische Behandlungen innerhalb des im Antrag gefragten Zeitraums führen jedoch oft zu einer kompletten Ablehnung. Hier bleibt Studenten nur die Möglichkeit, weiter gesetzlich Versichert zu bleiben.

 

Entscheidung nach Leistungen ...

Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zu 95% identisch - denn schließlich sind sie im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben. Mögliche Zusatzleistungen kommen nur durch Kulanz zustande.

Dagegen bietet die private Krankenversicherung für Studenten ein wesentlich höheres Leistungsspektrum. Wegen der vielen Tarifkombinationen gibt es allerdings auch große Unterschiede, denn jedes PKV-Unternehmen kocht ihr ganz eigenes Süppchen bei der Gestaltung der Tarife und somit der Leistungsinhalte.

Die Leistungsdifferenzen zwischen GKV und PKV haben wir Ihnen nachstehend aufgeführt ...

Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Möglichkeit der Familienversicherung
Ja.

Alle Mitglieder einer Familie sind im Rahmen der Familienversicherung beitragsfrei mitversichert, sofern sie kein Arbeitseinkommen von mehr als 450 € pro Monat haben.

Es dürfen zudem keine Einkünfte von mehr als 425 € aus Kapitalerträgen (z.B. Mieten, Zinsen) oder aus selbständigen Tätigkeiten vorhanden sein.

Die Dauer der kostenlosen Mitversicherung ist an bestimmte Alters- und Semestergrenzen geknüpft, mehr dazu im Kapitel Familienversicherung.

Nein.

Jede Person zahlt hier einen eigenen Beitrag nach dem Prinzip der Individualversicherung.

Personen bis zum 25. Geburtstag sind aber zumindest in der Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert, wenn folgende Voraussetzungen zutreffen:

  • Die Person befindet sich in der Ausbildung
  • Mindestens ein Elternteil ist ebenfalls privat Versichert
  • Die Person hat kein regelmäßiges Einkommen von mehr als 450 € pro Monat
  • Die Person hat keine sonstigen regelmäßigen Einkünfte von mehr als 425 €
Beiträge
Die Beiträge werden nach dem Solidarprinzip berechnet und sind deshalb vom eigenen Einkommen abhängig. Wer viel verdient, zahlt auch höhere Beiträge.

Für Studenten gelten niedrige Pauschalbeiträge, sofern bestimmte Alters- oder Semestergrenzen noch nicht überschritten wurden.

Die studentische Versicherung endet zum 30. Geburtstag, spätestens aber mit Beginn des 15. Fachsemesters.

Die Beiträge sind abhängig vom Alter und von den gewünschten Leistungen.

Für Studenten werden stark Preisreduzierte Tarife angeboten.

Die vergünstigten Studententarife gelten oftmals bis zum 38. oder 39. Geburtstag, bei manchen Versicherern jedoch nur bis zum 33. oder 34. Geburtstag.

Die Anzahl der Fachsemester ist in der PKV nicht von Bedeutung (mit Ausnahme der Continentale Krankenversicherung).

Beitragsrückerstattung
Nein.

Rückerstattungen gibt es nur bei einigen wenigen Wahl-Tarifen, die seit April 2007 für Angestellte und Selbständige angeboten werden. Die Wahl-Tarife haben jedoch den Nachteil, dass man sich damit 3 Jahre lang an die Krankenkasse bindet und nicht in eine andere GKV wechseln kann (wohl aber in die PKV).

Ja, ist nahezu immer der Fall.

Je nach Tarif werden Rückstattungen von bis zu 6 Monatsbeiträgen gezahlt, sofern innerhalb eines Jahres keine Rechnungen zur Erstattung eingereicht wurden.

In vielen Privattarifen können Kosten für ärztliche Vorsorge, Zahnprophylaxe oder sogar für professionelle Zahnreinigung in Rechnung gestellt werden, ohne dass die Rückerstattungen verloren gehen.

Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Ambulante Behandlung (beim Arzt)
Kostenübernahme nur für Ärzte, die kassenärztlich zugelassen sind und nur in Höhe der ortsüblichen, notwendigen Kosten.

Ferner gilt das Hausarzt-Prinzip. Der Hausarzt soll zum ersten Ansprechpartner werden und die Stationen der einzelnen Behandlungen koordinieren. Die Krankenkasse kann solch ein kostenbewußtes Verhalten mit einem Bonus belohnen (z.B. niedrigere Zuzahlungen oder geringere Eigenbeteiligungen).

Jeder Versicherte muss eine Praxisgebühr zahlen, wonach für Arztbesuche ein fester Eigenanteil in Höhe von 10 € fällig wird. Die Praxisgebühr ist auch dann zu zahlen, wenn lediglich ein Rezept ausgestellt werden soll.

Die Praxisgebühr wird pro Quartal einmal fällig, also innerhalb eines Vierteljahres immer nur für die erstmalige Inanspruchnahme eines Arztes.

Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von den Zuzahlungen befreit.

Freie Arztwahl auch unter solchen Ärzten, die nur Privatpatienten behandeln. Außerdem jederzeitige Möglichkeit für den Wechsel des Arztes.

Manche Privattarife sehen das Hausarzt-Prinzip vor (auch Primärarzt-Prinzip genannt).

Mit einem Hausarzt-Tarif lässt sich viel Geld sparen, denn meist sind die Beiträge deutlich niedriger als bei denjengen Tarifen, in denen direkt ein Facharzt konsultiert werden kann.

Praxisgebühren wie bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es in der PKV generell nicht.

Heilpraktiker / Naturheilverfahren
Die Kosten für Heilpraktiker werden nicht erstattet.

Für Behandlungen durch Ärzte auf Basis von Naturheilverfahren leisten einige wenige Kassen im Ausnahmefall, dieses dann auf Kulanzbasis und nur mit besonderer Begründung.

Behandlungen durch Heilpraktiker werden (je nach Tarif) zu 100% oder zumindest zu einem Teil übernommen. Einige Spar-Tarife erstatten solche Kosten jedoch nicht.

In einigen Tarifen werden sogar spezielle Behandlungsmethoden nach dem Hufeland-Verzeichnis erstattet.

Für angewandte Naturheilverfahren durch Ärzte werden die Kosten von den meisten PKV-Tarifen zu 100% übernommen.

Medikamente / Verbandmittel
Hier greift eine feste Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens jedoch 5 € und maximal 10 €.

Nicht erstattet werden Arzneimittel gegen Erkältung, Reisekrankheiten, Abführmittel oder für Mund- und Rachentherapeutika.

Die Kosten werden vom Versicherten in der Apotheke vorgestreckt und danach durch die PKV zu 100% erstattet.

Einige wenige Spar-Tarife sehen nur eine Erstattung von zwischen 75% und 90% vor.

In aller Regel jedoch keine Leistungen für Nährmittel (wie Vitaminpräparate oder Anabolika).

Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Brillen und Kontaktlinsen
Nein, in den meisten Fällen keine Erstattung.

Sehhilfen werden nur für stark sehbehinderte Menschen mit schweren Sehfehlern sowie für Kinder und Jugendliche übernommen.

Alle anderen Standardbrillenträger müssen die Kosten aus eigener Tasche bezahlen.

Kostenübernahme zwischen 50 € und 600 €.

Manche Tarife erstatten die Kosten für Brillengläser und Kontaktlinsen sogar ohne Limit.

Einige wenige Billig-Tarife erstatten Sehhilfen aber erst ab bestimmten Dioptrien- oder Zylinderwerten.

Zahnarzt (Behandlung / Untersuchung)
Kostenerstattung zu 100% für medizizinisch notwendige, übliche Behandlungen.

Professionelle Zahnreinigung wird nicht übernommen.

Kostenerstattung zu 100%.

Bei einen Tarifen können geringere Erstattungen von zwischen 75 und 90% gewählt werden.

Professionelle Zahnreinigung wird in den meisten Tarifen erstattet.

Zahnersatz und Kieferorthopädie
Seit 2005 zahlen die Kassen nur noch einen Festbetrag im Rahmen einer sog. befundbezogenen Regelversorgung.

Einen Anspruch darauf, dass besserer Zahnersatz (Gold, Implantate, Amalganaustausch durch Keramikfüllungen) wie früher wenigstens zu 50% erstattet wird, haben gesetzlich Kassenversicherte in keinem Fall mehr.

Auch für Inlays erfolgen keine Kassenleistungen mehr.

Wer die hohen Kosten für Zahnersatz weiterhin in zufrieden stellendem Maße erstattet bekommen will, muss eine private Zahnzusatz-Versicherung abschließen.

Die Leistung hängt vom gewählten Tarif ab. Möglich sind 50 bis 100%. Üblich sind 75 bis 80%.

Bei nahezu allen Tarifen besteht Anspruch auf hochwertigen Zahnersatz in Form von Edelmetallen, Keramik oder Implantaten.

Unterschiede bestehen darin, dass Inlays aus Gold oder Keramik je nach Tarif unterschiedlich erstattet werden. Manche Versicherer stufen diese nämlich als Zahnbehandlung ein und erstatten 100% der Kosten. Andere stufen Inlays als Zahnersatz ein und erstatten deshalb prozentual mit zwischen 50% und 90%.

Für Kieferorthopädie (z.B. Zahnspangen) sehen manche Tarife zudem nur dann Leistungen vor, wenn die Behandung vor dem 18. oder dem 19. Geburtstag begonnen hat (bei Unfall jedoch unabhängig vom Alter).

Zu beachten ist, dass die meisten Tarife bestimmte Höchstgrenzen für Zahnersatz während der ersten Jahre vorsehen. Das heißt, dass die Erstattung für Zahnersatz z.B. in den ersten 4 Jahren absolut begrenzt ist auf 1.500 € im ersten Jahr, 2.000 € im zweiten Jahr, 2.500 € im dritten Jahr und auf 3.000 € im vierten Jahr. Erst ab dem fünften Jahr würde diese Begrenzung entfallen. Bei Unfall greifen solche Höchstgrenzen aber nicht.

Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Krankenhaus (Unterbringung / Behandlung)
Wer im Krankenhaus liegt, muss für jede Übernachtung eine feste Eigenbeteiligung von 10 € zahlen, maximal aber 280 €.

Die Eigenbeteiligung ist bei der Entlassung direkt an das Krankenhaus zu zahlen.

Die Kasse erstattet medizinisch notwendige Behandlungen und die Kosten für Pflege und Unterbringung.

Wahl-Leistungen mit Aufenthalt im 1- oder 2-Bettzimmer auf der Privatstation oder Ansprüche auf Privatarztbehandlung bestehen nicht.

Eine Zuzahlung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen besteht nicht.

PKV-Versicherte können im 1- oder 2-Bettzimmer auf der Privatstation wieder gesund werden, oder im normalen Mehrbett-Zimmer.

Dies hängt einzig davon ab, welcher Tarif vorher gewählt wurde.

Die privatärztliche Behandlung (Chefarztbehandlung) ist zumeist automatisch enthalten, wenn ein Tarif mit Unterbringung im 1- oder 2 Bett-Zimmer gewählt wird.

Wer einen Tarif mit Unterbringung auf der Privatstation und/oder Chefarztbehandlung besitzt und während des Aufenthalts darauf verzichtet (z.B. weil er auch so gut aufgehoben ist), erhält meist ein ersatzweises Tagegeld für jeden Tag des stationären Aufenthaltes.

Auslandsversicherung
Versicherungsschutz besteht in Staaten, mit denen die BRD ein zur Sozialversicherung geschlossen hat.

Geleistet wird zudem nur bis zu dem Umfang, den die allgemeine Versorgung des jeweiligen Gastlandes vorsieht.

Außerhalb von Europa leisten die gesetzlichen Krankenkassen überhaupt nicht.

Voller Versicherungsschutz für alle Reisen in Staaten des (Europäischer Wirtschaftsraum), also in ganz Europa mit Ausnahme von Bosnien, Serbien, der Schweiz, Russland und der Ukraine.

Außerhalb des EWR besteht (je nach Tarif) für 1 bis 36 Monate oder sogar unbegrenzt der volle Versicherungsschutz.