Entscheidungshilfen für Studenten

Gesetzlich oder privat versichern?

Ab einem bestimmten Lebensalter oder Fachsemester müssen gesetzlich versicherte Studenten ihre Krankenversicherung selbst in die Hand nehmen (siehe Kapitel wie versichern).

Und spätestens ab dem 15. Fachsemester oder mit erreichen des 30. Geburtstages steigen die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen deutlich an. Aber auch der Verdienst kann sich schnell zur Kostenfalle entwickeln, denn ein zu hohes Gehalt aus Beschäftigungen oder ein Einkommen aus Selbständiger Tätigkeit wird in der GKV mit Zusatzbeiträgen bestraft.

Zwar denken viele Studenten dann über den Wechsel in eine private Krankenversicherung nach, doch fällt die Entscheidung dafür manchmal nicht leicht. Denn vom gewohnten Standard der gesetzlichen Krankenkasse in das Unbekannte der PKV zu wechseln, ist für manche ein gewagter Schritt.

 

Entscheidung nach Kosten ...

Hier kann sich für Studenten der Wechsel in eine private Krankenversicherung lohnen:

Das Studium lässt sich oft nur mit Nebenjobs finanzieren. Wenn die monatlichen Einkünfte aber mehr als 425 € betragen (mit Ausnahme von Minijobs, dort sind bis zu 450 € erlaubt), sind solche Hinzuverdienste in der GKV extra beitragspflichtig. In dem Fall kann sich der Wechsel in eine Studenten-PKV durchaus rechnen.

Für Studierende, die sich ab einem Alter von 30 Jahren oder nach dem 14. Fachsemester nur mit dem Status eines „freiwillig Versicherten“ in der GKV weiter versichern können, ist eine PKV fast immer die preiswertere Lösung.

 

Hier sind Studierende besser in der gesetzlichen Kasse aufgehoben:

Wer im Vollzeitstudium den Ehepartner und/oder ein Kind mitversichern muss und einen billigen Versicherungsschutz sucht, sollte in jedem Fall gesetzlich versichert bleiben. Denn der größte Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung ist, dass nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert sein können.

 

Entscheidung nach Leistungen ...

Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind zu 95% identisch - denn schließlich sind sie im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben. Mögliche Zusatzleistungen kommen nur durch Kulanz zustande.

Dagegen bietet die private Krankenversicherung für Studenten meist ein viel höheres Leistungsspektrum. Wegen der vielen Tarifkombinationen gibt es allerdings auch große Unterschiede, denn jedes PKV-Unternehmen kocht ihr ganz eigenes Süppchen bei der Gestaltung der Tarife und somit der Leistungsinhalte.

Die Leistungsdifferenzen zwischen GKV und PKV haben wir Ihnen nachstehend aufgeführt ...

Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Möglichkeit der Familienversicherung
Ja.
Im Rahmen der Familienversicherung sind alle Mitglieder einer Familie beitragsfrei mitversichert, sofern sie aus Beschäftigungen kein Einkommen von mehr als 450 € pro Monat haben.
Sie dürfen zudem keine Einkünfte von mehr als 425 € aus Kapitalerträgen (z.B. Mieten, Zinsen) oder aus selbständigen Tätigkeiten beziehen.
Für Studenten gilt dies jedoch nur bis zu bestimmten Altersgrenzen oder einer gewissen Semesterzahl. Nähere Infos dazu im Kapitel Familienversicherung.
Nein.
Für jede Person besteht ein eigener Vertrag mit einem eigenen Beitrag (Individualversicherung).
Kinder und Jugendliche wären aber zumindest in der Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert, sofern sie keine regelmäßigen Einkünfte von mehr als 425 € haben und keine Beschäftigung mit einem Einkommen von mehr als 450 € ausüben.
Nur in der Pflegeversicherung wären Studenten und Schüler beitragsfrei mitversichert, solange sie unter 25 Jahre alt sind, und die oben genannten Einkommensgrenzen nicht überschreiten.
Beiträge
Die Beiträge werden grundsätzlich nach dem Solidarprinzip berechnet und sind deshalb vom eigenen Einkommen abhängig.
Wer viel verdient, zahlt also auch höhere Beiträge.
Für Studenten gelten niedrige Pauschalbeiträge, sofern bestimmte Alters- oder Semestergrenzen noch nicht erreicht wurden.
Die vergünstige studentische Krankenversicherung endet jedoch immer mit dem 30. Lebensjahr oder zum Beginn des 15. Fachsemesters.
Die Beiträge sind abhängig vom Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und von den gewünschten Leistungen.
Für Studenten werden stark reduzierte Beiträge angeboten, welche aber sehr unterschiedlich sind.
Diese Rabatte werden meist bis zum 34. Lebensjahr gewährt (teilweise sogar bis zum 35. Lebensjahr).
Die Anzahl der erreichten Semester dagegen ist bei den meisten privaten Tarifen nicht von Bedeutung.
Beitragsrückerstattung
Nein.

Rückerstattungen gibt es nur bei einigen wenigen Wahl-Tarifen, die seit April 2007 für Angestellte und Selbständige angeboten werden. Diese haben aber den Nachteil, dass man bei einem Abschluss 3 Jahre lang an diesen Vertrag gebunden ist und nicht wechseln kann.

Ja, ist nahezu immer der Fall.
Je nach Tarif werden Rückstattungen von bis zu 6 Monatsbeiträgen gezahlt, sofern innerhalb eines Jahres keine Kosten angefallen sind.
In manchen Privattarifen können sogar Kosten für ärztliche und zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Rechnung gestellt werden, ohne dass die Rückerstattungen verloren gehen.
Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Ambulante Behandlung (beim Arzt)
Kostenübernahme nur für Ärzte, die kassenärztlich zugelassen sind und nur in Höhe der üblichen, notwendigen Kosten.

Ferner gilt bei allen gesetzlichen Kassen das Hausarzt-Prinzip. Der Hausarzt soll zum ersten Ansprechpartner werden und die Stationen der einzelnen Behandlungen koordinieren. Die Krankenkasse kann solch ein kostenbewußtes Verhalten mit einem Bonus belohnen (z.B. niedrigere Zuzahlungen oder geringere Eigenbeteiligungen).

Alle Versicherten müssen eine Praxisgebühr zahlen: Für Arztbesuche muss ein fester Eigenanteil in Höhe von 10 € selbst gezahlt werden. Die Praxisgebühr muss auch dann bezahlt werden, wenn lediglich ein Rezept ausgestellt werden soll.

Die Praxisgebühr wird pro Quartal fällig und immer nur für die erstmalige Inanspruchnahme eines Arztes innerhalb des Vierteljahres.

Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von den Zuzahlungen befreit.
Freie Arztwahl auch unter solchen Ärzten, die nur Privatpatienten behandeln und jederzeitige Möglichkeit zum Wechsel des Arztes.

Manche Privattarife sehen das vor (auch Primärarzt-Prinzip genannt).

Mit einem Hausarzt-Tarif können Sie viel Geld sparen, denn hier sind die Beiträge deutlich niedriger als bei denjenigen Tarifen, wo Sie direkt einen Facharzt konsultieren können.

Praxisgebühren wie bei den gesetzlichen Krankenkassen bestehen generell nicht.
Heilpraktiker / Naturheilverfahren
Die Kosten für Heilpraktiker werden nicht erstattet.

Einige wenige Kassen leisten im Ausnahmefall auf Kulanzbasis und nur mit besonderer Begründung, wenn Behandlungen durch Ärzte auf der Basis von Naturheilverfahren erfolgen sollen.
Die Kosten werden, je nach dem gewähltem Tarif, entweder zu 100% oder zumindest zum hohen Teil übernommen.

Von einigen Tarifen werden sogar Behandlungen nach dem erstattet.

Das Leistungsspektrum ist jedoch ebenso vielfältig wie unterschiedlich.

Manche Tarife nämlich übernehmen solche Kosten nur begrenzt oder gar nicht.
Medikamente / Verbandmittel
Hier greift eine feste Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens jedoch 5 € und maximal 10 €.

Nicht erstattet werden Arzneimittel gegen Erkältungskrankheiten, Reisekrankheiten, Abführmittel sowie Mund- und Rachentherapeutika.
Die Kosten werden von Ihnen in der Apotheke vorgestreckt und danach durch die Privatversicherung zu 100% erstattet.

Einige wenige Spar-Tarife dagegen sehen nur eine Erstattung von zwischen 75% und 90% vor.

In aller Regel jedoch keine Leistungen für Nährmittel (z.B. Vitaminpräparate oder Anabolika).
Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Brillen und Kontaktlinsen
In den meisten Fällen keine Erstattung.

Nur für stark sehbehinderte Menschen mit schweren Sehfehlern sowie für Kinder und Jugendliche werden Brillen auf Kassenkosten übernommen.

Alle anderen, also die Standardbrillenträger, müssen die Kosten aus eigener Tasche bezahlen.
Kostenübernahme zwischen 50 € und 600 €.

Manche Tarife erstatten die Kosten für Brillengläser und Kontaktlinsen sogar ohne Limit.

Die Reinigungsmittel für Kontaklinsen jedoch werden nur von ganz wenigen Tarifen übernommen.

Einige Spar-Tarife übernehmen Sehhilfen aber erst ab einer gewissen Dioptrienzahl oder Zylinderwerten.
Zahnarzt (Behandlung / Untersuchung)
Kostenerstattung zu 100% nur für medizizinisch notwendige, übliche Behandlungen. Kostenerstattung zu 100%.
Eine Spar-Tarife sehen geringere Erstattungen von zwischen 75 und 90% vor.
Zahnersatz und Kieferorthopädie
Seit 2005 zahlen die Kassen nur noch einen Festbetrag im Rahmen einer befundbezogenen Regelversorgung.

Einen Anspruch darauf, dass hochwertiger Zahnersatz (z.B. Amalganaustausch mit Keramikfüllungen, Gold, Implantate) wie früher wenigstens zu 50% erstattet wird, besteht in keinem Fall mehr.

Auch für Inlays erfolgt keine Erstattung mehr.

Wenn Sie die hohen Kosten für Zahnersatz weiterhin in zufrieden stellendem Maße erstattet bekommen wollen, müssen Sie eine private Zusatzversicherung abschließen.
Die Leistung hängt vom gewählten Tarif ab. Möglich sind 50 bis 100%.  Üblich sind etwa 75%.

Bei nahezu allen Tarifen besteht auch ein Anspruch auf einen hochwertigen Zahnersatz in Form von Edelmetallen, Keramik oder Implantaten.

Unterschiede bestehen darin, dass Inlays aus Gold oder Keramik je nach Tarif unterschiedlich erstattet werden. Manche Versicherer stufen diese nämlich als Zahnbehandlung ein und erstatten 100% der Kosten. Andere sehen Inlays als Zahnersatz an und erstatten deshalb prozentual mit zwischen 50% und 90%.

Für Kieferorthopädie (z.B. Zahnspangen) sehen manche Tarife zudem nur dann Leistungen vor, wenn die Behandung vor dem 18. oder dem 19. Geburtstag begonnen hat (bei Kieferorthopädie wegen Unfall meist jedoch unabhängig vom Alter).
Gesetzliche KassenPrivate Krankenversicherung
Krankenhaus (Unterbringung / Behandlung)
Wenn Sie im Krankenhaus liegen, verlangt Ihre Kasse für jeden Tag des Aufenthaltes eine feste Eigenbeteiligung von 10 € pro Tag, maximal aber 280 €.

Die Eigenbeteiligung müssen Sie bei Ihrer Entlassung direkt an das Krankenhaus zahlen.

Ansonsten erstattet Ihnen die Krankenkasse die Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen, Operationen, Pflege und Unterbringung.

Wahl-Leistungen mit Unterbringung im 1- oder 2-Bett-Zimmer auf der Privatstation oder Ansprüche auf Chefarztbehandlungen bestehen jedoch nicht.
Eine Eigenbeteiligung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen besteht nicht (bzw. nur in einem einzigen Tarif).

Sie können auf der Privatstation mit Unterbringung im 1- oder 2 Bett-Zimmer wieder gesund werden, oder im Mehrbett-Zimmer.  Es hängt allein davon ab, welchen Tarif Sie vorher gewählt haben.

Die privatärztliche Behandlung (Chefarztbehandlung) ist meistens automatisch enthalten, wenn Sie eine Unterbringung im 1- oder 2 Bett-Zimmer wählen.

Wenn Sie eine Unterbringung auf der Privatstation und/oder Chefarztbehandlung gewählt haben und später im Krankenhaus darauf verzichten (z.B. weil Sie auch so gut aufgehoben sind), dann erhalten Sie von den meisten Privatversicherern ersatzweise ein festes Tagegeld für jeden Tag des stationären Aufenthaltes.
Auslandsversicherung
Versicherungsschutz besteht nur in solchen Staaten, mit denen die BRD ein zur Sozialversicherung geschlossen hat.

Geleistet wird zudem nur bis zu dem Umfang, den die allgemeine Versorgung des jeweiligen Gastlandes vorsieht.

Außerhalb von Europa leisten die gesetzlichen Krankenkassen überhaupt nicht.

Generell voller Versicherungsschutz für alle Staaten des , also in ganz Europa mit Ausnahme von Bosnien, Serbien, der Schweiz, Russland, der Ukraine sowie Rumänien und Russland.

Außerhalb des EWR besteht je nach Tarif ein voller Versicherungsschutz für 1 bis 36 Monate.